Glass – Review | Filmkritik

Glass ist das Passionsprojekt und der dritte Film der „Unbreakable“-Trilogie von Regisseur M. Night Shyamalan. Ein etwas anderer Superhelden Film in den Hauptrollen mit Samuel L. Jackson als Mr. Glass, Bruce Willis als David Dunn und James McAvoy als Die Horde, das Biest und Kevin Wendell Crumb.

Der unverwundbare David Dunn nimmt das Gesetz in die eigenen Hände. Dabei trifft er auf Kevin Wendell Crumb, einem Psychopaten, der unter dissoziative Identitätsstörung leidet. So besitzt er 24 verschiede Persönlichkeiten, darunter das Biest, welches ihm übermenschliche Stärke verleiht. Der Kampf in einem Lagerhaus führt sie später zu einer Begegnung mit Elijah Price, auch bekannt als Mr. Glass.

Glass (Im Verleih von Walt Disney)

Gleich vorab, ich habe diesen Film ziemlich gemocht. Für die, die es nicht wissen, Glass ist das Finale der beiden eher unkonventionellen Comicbuchfilme Unbreakable und Split. In Unbreakable lernten wir den Helden und den Bösewichten dieser Welt kennen. Dann lernten wir in Split, dass beide Filme in der gleichen Welt spielen und mit dem Biest bzw. die Horde ein weiterer Bösewicht hinzukommt. Wenn David Dunn Batman wäre und Mr. Glass Joker, dann wäre das Biest Bane. Ich denke, so kann man es sich am besten vorstellen. Ich habe mich unglaublich auf diesen Film gefreut und hatte sehr hohe Erwartungen. Diese wurden teils anders erfüllt als erwartet, aber immerhin sehr zufriedenstellend. Wer glaubt in Glass den actionreichen bombastischen Comicbuchfilm zu finden, der irrt sich. Glass ist ein eher kleiner tiefgründiger Film mit starken Themen, vergleichbar mit einem Logan, nur weniger brutal. Sehen wir uns das Ganze mal an:

Die Story

Der Anfang von Glass hat mir sehr gefallen. Wir werden in die Welt eingeführt in der alles spielt und es ist schön zu sehen, wie die beiden Filme Unbreakable und Split in einem zusammen kommen. Mr. Glass kommt erst etwas später im Film vor, aber übt genug Einfluss aus, um wirklich die Titelfigur genannt werden zu dürfen. Das meiste vom Film findet in einem späteren Ortswechsel statt, Grund dafür ist wahrscheinlich das niedrige Budget von ca. 20 Millionen (im Vergleich zu beispielsweise den 140 Mio. vom ersten Iron Film). Hier werden viele, sehr viele lange Monologe gehalten, die mich teilweise fast zum einschlafen gebracht haben. M. Night Shyamalan schafft es nach 20 Jahren einfach immer noch nicht seinen Zuschauern zu vertrauen und muss uns in Form von massenhafter Exposition jedes kleinste Detail vorsprechen. Dies findet sich auch später im Film wieder. Doch dann kommen wir zu dem dritten Akt des Films. Natürlich keine Spoiler! Hier kommt der Moment, wo der Zuschauer für sich entscheidet, ob er mit an Bord ist oder nicht. Viele würden sich an diesem Punkt mehr erwartet haben oder mögen das Ende nicht. Es kann Einigen zu viel sein, zu kitschig. Für mich jedoch war es ein gelungener Abschluss und die Themen die Shyamalan dabei versucht rüberzubringen sind alle bei mir angekommen. 

Der Cast

Sowohl Bruce Willis, Samuel L. Jackson als auch James McAvoy liefern in diesem Film gewaltig ab. Ich habe lange nicht mehr gesehen, wie Willis sich so viel Mühe bei einer Rolle gibt. Er wird zwar sparsam eingesetzt, doch in jeder kurzen Nahaufnahme schafft er es alle Emotionen und Gedanken zu übermitteln, die seine Figur gerade fühlt. An einem Punkt des Films befürchtete ich fast zu wenig von Sam Jackson zu sehen, doch auch er schafft es in diesen Film in jedes seiner Szenen zu glänzen. Es gibt keine Rolle in seinem Repertoire, die so gebrochen ist und einfach versucht dazuzugehören und zu beweisen, dass er etwas Besonderes ist.

Jetzt, wo wir das abgehakt haben, kommen wir zur Kirsche auf der Sahnetorte. Der Titel mag zwar Glass sein, doch dieser Film gehört einzig und allein James McAvoy. Mit einer exzellenten Leistung porträtiert er erneut den übermenschlichen Psychopaten mit seinen 24 Persönlichkeiten und jede einzelne unterscheidet sich so sehr von der anderen. Ich kann kaum verstehen, wie er diese Meisterleistung absolviert hat, nun noch mehr einzigartige Persönlichkeiten hinzuzufügen. Im Vergleich zu Split toppt McAvoy seine Leistung in diesem Film mit mehreren Szenen, indem er in Sekunden seine Performance komplett zwischen drei bis vier Identitäten ändert. Egal, was gerade geschieht, ich bin so gefesselt in seine Darstellung und freute mich im Kino auf jede weiter Sekunde, wo Hedwig, Dennis, Patricia und Co. zu sehen war. 

Es gab natürlich einige weiteren Schauspieler im Film und hier fangen auch schon die Probleme an. Zu meiner Überraschung übernahm Spencer Treat Clark seine damalige Kinderrolle als Sohn von David Dunn. Ich muss sagen, dass er mir im Film nicht so ganz gefallen hat, doch das lag oft an dem, was das Drehbuch ihm zu sprechen gab. Anya Taylor-Joy spielt erneut Casey Cooke, die eine besondere Bindung zu James McAvoys Figur besitzt. Das was sie macht ist gut, doch es wirkt fast so als hätte Shyamalan ihr Talent verschwendet, nachdem wir so viel von ihr in Split gesehen haben. In diesem Film spielt sie nur die Bezugsperson für das Biest und ist diesem untergeordnet, obwohl sie viel mehr zu bieten gehabt hätte. Das gleiche gilt für Spencer Treat Clark für David Dunn und Charlyne Woodard, die bereits beim Vorgänger die Mutter von Mr. Glass spielt, für Mr. Glass.

Der einzige nennenswerte Neuzugang ist Sarah Paulson, die Dr. Ellie Staple spielt. Ich liebe Paulson, aber diese Darstellung hat einfach nicht funktioniert für mich. Es lag zum Teil wahrscheinlich auch an Shyamalans Regie, doch die steife, monotone Figur, die einzig und allein im Film ist, um die Handlung voran zu treiben, wirkte sehr einfallslos. In den wichtigen Momenten, wo sie Emotionen zeigen muss, ging es über meinen Kopf hinweg und interessierte mich einfach nicht. Und obwohl sie eine wichtige Rolle spielt, wirkte es rückblickend fast so, als hätte Paulson mit den anderen Figuren kaum interagiert und man hätte sie auch ganz rausschneiden können, ohne dass es einen Unterschied gemacht hätte. Da ist das Zugucken einer einzelnen Persönlichkeit von McAvoys Figur um einiges spannender.

Die Technik

Technisch gesehen hat dieser Film viel zu bieten. Der Regisseur nutzte mal wieder seine typischen Shyamalanischen Kameradrehungen, wie schon zuvor in Unbreakable und Split. Dabei dreht sich die Kamera langsam einmal komplett auf den Kopf oder umgekehrt in dem genau richtigen Moment. Der Zuschauer verspürt eine gewissen Verwirrung und Umschwenkung der Handlung. Das wiederum komplementiert die dann zusehende Szene.

Shyamalan geht gerne Risiken ein und probiert oft neue Sachen mit der Kamera aus, davon fand sich auch viel in diesem Film wieder. Ein Beispiel hierfür ist eine Szene in der ein sehr aufwendig choreografierter Kampf stattfindet. In den meisten Actionfilmen würde man viele sich schnell bewegenden Kameras auf dem Zentrum des Geschehens halten und dabei immer wieder von einer Nahaufnahme in die Halbtotale wechseln. Shyamalan jedoch entschied sich den Kampf in einer einzelnen Einstellung aufzunehmen, während der Fokus auf einer einzelnen vom Kampf unabhängigen Figur im Vordergrund liegt. Die Figur bewegt sich vor, die Kamera hält drauf und somit wird der im Hintergrund stattfindende Kampf immer unschärfer und kaum beachtet. Damit kommentiert er seinen eigenen Film und bestätigt nochmals, dass es in seinem Film nicht auf die Action ankommt, sondern auf die durch die Mimik hervorkommenden Gefühle und Gedanken der Charaktere. 

Fazit

Zusammenfassend kann ich nur nochmal erwähnen: Der Film ist definitiv nicht etwas, was jedem gefällt. Alleine, weil der Regisseur Entscheidungen für die Handlungen getroffen hat, die sehr andersartig sind und einige Zuschauer gar verärgern könnten. Ja, der Film ist nicht perfekt und hat ein paar Probleme. Die Nebenfiguren werden nicht gut gehandhabt, das Skript weist Schwächen auf und Shyamalan verschwendet viel zu viel Zeit damit dem Zuschauer jedes kleinste Detail zu erklären. Doch das Ganze wird mehr als ausgeglichen mit den herausragenden Leistungen der drei Hauptfiguren und die kreative und einzigartige Umsetzung eines modernen Superheldenfilms. Wenn du offen bist für Neues und vor allem Unbreakable und Split genau so geliebt hast, wie ich, dann solltest du Glass zumindest eine Chance geben. 

Insgesamt hat Shyamalan auf seiner Suche nach den außergewöhnlichsten und unkonventionellsten Superheldenfilmen mit Glass ein würdiges Finale für seine Trilogie geschaffen, was zumindest in meine Geschichtsbücher als ein einfallsreiches Stück Unterhaltung eingehen wird.

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